Der Stern von Weihnachten

«Binde deinen Karren an einen Stern!» Diese Deutung von Weihnachten finden wir in Betrachtungen über den Sinn des Weihnachtsfestes. Diese bildhafte Aufforderung kann ich übersetzen mit: «Lass dich vom Himmel durchs Leben ziehen.»

Wenn wir in den Himmel schauen, betrachten wir die Gestirne, den Gang des Mondes, die Farbe der Sonne und machen dabei unsere Gedanken, werden still und staunen. Dass ein Stern unser Motor fürs Leben sein kann, ist ein zusätzlicher, eher schräger Gedanke. Dass wir uns von einem Stern ziehen oder leiten lassen, erscheint uns zunächst als naiv. Doch die Weisen aus dem Morgenland, die Hl. Drei Könige, die Wissenschaftler aus dem Orient, orientierten sich am Stern, der sie zum Jesuskind in der Krippe führte. Ihr Vertrauen in den Stern brachte sie an das erhoffte Ziel.

An Weihnachten finden wir das Kleine im Grossen und das Grosse im Kleinen. Gott beginnt seine Geschichte mit uns mit einem Säugling, der in der Krippe liegt und sich nicht wehren kann. Aus diesem Kleinen wird später ein Grosser. Wie manches hat bei uns klein angefangen und wurde mit der Zeit wichtig im Leben? Anscheinend kleine Gesten und Hilfen können Grosses bewirken.

Im Grossen der Schöpfung und der Welt finden wir besondere Momente, die uns prägen und fest in der Erinnerung bleiben. Gott, dem wir auch die Bezeichnung «Grosser Gott» geben, nimmt in erster Linie Position für die Kleinen und Schwachen ein.

«Lass dich vom Himmel durchs Leben ziehen!» Wer dies wagt, kann beim Mitmenschen neue und interessante Seiten entdecken; geht gelassener auf Herausforderungen zu und gönnt nicht nur allen eine friedliche Existenz, sondern findet noch die Kraft, selbst etwas für den Frieden zu tun.

Ich wünsche Ihnen von Herzen ruhige, friedvolle und gesegnete Weihnachten und alles Gute zum Neuen Jahr.

Kaplan Arno Stadelmann
Koordinator und Leitung des Pastoralraums ad interim